Stellungnahme 2016 vom BUND zum Bundesverkehrswegeplan 2030:


BVWP_2030_EinwBUND.pdf [ 120.3 KB ]


BUND: „Bau einer Ortsumfahrung ist eine Scheinlösung”

 

Ortsumgehungen führen nicht zu spürbaren Verbesserungen, sondern zu neuen Problemen. Zu diesem Ergebnis kommen diverse Untersuchungen, die der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) bereits 2004 in einem Fakten-Papier zusammenfasste. 

 

Lärm, Abgase, Unfallrisiken, Trennwirkung – das sind die Probleme, die Ortsumfahrungen lösen sollen. Doch unterm Strich erfüllen sie diese Erwartungen nicht oder sind sogar kontraproduktiv. Selbst das Bundesverkehrsministerium kam bei einer Bewertung geplanter Ortsumfahrungen zu dem Ergebnis, dass über die Hälfte der geplanten Ortsumgehungen kaum zur Entlastung der Ortschaften beitragen würde. 

 

Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten

Ein Verkehrswachstum von 60 bis über 100 % haben neu gebaute Ortsumgehungen bewirkt, die der BUND in Baden-Württemberg über 20 Jahre beobachtet hat. Zum Vergleich: In Orten ohne Umgehungsstraße nahm der Verkehr nur um 20–40 % zu. Neue Straßen führen zu höherem Verkehrsaufkommen. Mehr Verkehr bedeutet: mehr Lärm und mehr Abgase. Deshalb fällt die Nutzen-Bilanz vieler Umgehungsstraßen am Ende neutral oder sogar negativ aus. 

 

Ortsumgehungen verlagern die Belastungen nur

Einer geringfügigen Lärmreduzierung entlang der Ortsdurchfahrt (meist nicht mehr als 10–20 %) steht eine Neuverlärmung an anderer Stelle gegenüber. Besonders wenn die neue Straße in der Nähe bisher ruhiger Wohngebiete verläuft, kann unterm Strich die Lärmbelastung für den gesamten Ort sogar höher sein als vorher. 

 

Die Schadstoff-Bilanz sieht ähnlich ungünstig aus: Wegen höherer Fahrgeschwindigkeit wächst insgesamt die Belastung durch Stickstoffoxide. An der Ortsdurchfahrt sinkt die Belastung durch Kohlenmonoxid zwar, rechnet man aber die Emissionen an Ortsdurchfahrt und Ortsumgehung zusammen, liegen sie fast genauso hoch wie vorher. 

 

Zunahme schwerer Unfälle

Um knapp ein Viertel erhöhten sich die Unfallkosten bei Ortsumfahrungen laut einem Gutachten im Auftrag des Verkehrsministeriums zum Bundesverkehrswegeplan 1985. Zwar ging die Gesamtzahl der Unfälle teilweise leicht zurück, doch es gab mehr schwere Sach- und Personenschäden. Als gefährlich erweisen sich vor allem die zusätzlichen Knotenpunkte. Erschwerend kommt das außer Orts höhere Fahrtempo hinzu.

 

Natur und Landschaft kommen unter die Räder

Neue Straßen zerschneiden Landschaften, versiegeln unberührte Naturflächen, zerstören Lebens- und Naherholungsräume. Umweltschutz ist Menschenschutz. Deshalb akzeptiert der BUND den Neubau einer Ortsumfahrung nur, „wenn sie die örtliche Situation tatsächlich verbessert und Mensch und Umwelt nützt ohne die negativen Auswirkungen des Straßenverkehrs auf andere Stadtteile oder die umgebende Landschaft zu verlagern.” 

 

Fehlentscheidungen mit verhängnisvollen Folgen

Vermeintlich billige – weil vom Land oder Bund finanzierte – Lösungen für kommunale Verkehrsprobleme können verhängnisvolle Folgen für die Lebensqualität und Gemeindeentwicklung haben. Der BUND warnt: „Verantwortliche KommunalpolitikerInnen sollten sich nicht vorschnell durch Sachzwänge, wie den Verweis auf Jahrzehnte alte Planungen oder den Wink mit dem goldenen Zügel der günstigen Finanzierung aus Landes- oder Bundesmitteln, beeinflussen lassen.” 

 

Bessere Alternativen

Oft gibt es bessere Alternativvorschläge von Umweltverbänden und Bürgerinitiativen, die jedoch nicht ernsthaft geprüft werden. Statt in kostspielige Scheinlösungen zu investieren, die am Ende reine Geldverschwendung sind, sollte die Verkehrspolitik Lösungen suchen, die

Verkehr vermeiden durch 

– kurze, sichere Wege für Fußgänger und Radfahrer

– Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe und Angebot vielfältiger Dienstleistungen vor Ort 

– Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs

 

Verkehr beruhigen durch 

– Fahrbahnverengungen, Kreisverkehre 

– Bepflanzung, Torsituationen an Ortseinfahrten, bepflanzte Mittelinseln

– breite Fuß- und Radwege

– Ampeln, Fußgängerüberwege

– Tempo 30


Verkehr verlagern auf

– Schienen oder Wasserwege

– geeignetere Straßen, z. B. mit einem Durchfahrts- bzw.Nachtfahrverbot für Lkw über 7,5 t

  

Weitere interessante Fakten über Ortsumgehungen und Straßenbau finden Sie hier:

www.bund.net/themen_und_projekte/mobilitaet/infrastruktur/

http://www.bund.net/index.php?id=5255

www.bund-bawue.de/themen-projekte/verkehr/aktuelles/

 

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